Herzlich Willkommen!

Die Begeisterung für Gottes Liebe hat uns dazu gebracht diese Homepage zu erstellen. Wir wollen über den christlichen Glauben miteinander ins Gespräch kommen, über Veranstaltungen in Uelsen und Umgebung informieren und die Freude über die Schönheit dieser Welt weitergeben.

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.

Die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus, sodass die Priester nicht ins Haus des HERRN hineingehen konnten.
2. Chronik 7,1f
Unfassbar! Das, was Salomo in seinen kühnsten Träumen erhoffte, tritt ein: Gottes Gegenwart erfüllt das Haus, das seinem Namen gebaut wurde. Er kommt mit Wucht und mit Größe. Gott zeigt seine verhüllte Herrlichkeit, seine ganze Macht. Die Festgemeinde, die zur Einweihung gekommen ist, fällt vor ihm nieder. Gottes Herrlichkeit so nahe zu sein, erfüllt mit Furcht, mit Ehrfurcht. Wer Gott begegnet, wird die Dinge anders sehen und sein Leben verändern. Nein, alltäglich ist dieses Geschehen auch zur Zeit Salomos nicht. Gott so nahe zu sein, ist ein Privileg; seine Nähe wie einen warmen Hauch auf der Haut zu spüren, ist unsagbar. Gott nimmt sich Raum auch in unserem Leben. Und wir werden staunen, weil Gottes Gegenwart so gewaltig ist, dass sie alles ausfüllt. Wir beten und feiern miteinander, weil Gott uns mit Glauben und Leben beschenkt. Im Glanz der Herrlichkeit Gottes, werden wir erfüllt wie der Tempel (vgl. 1Kor 3,16).
Autor: Kathinka Brunotte

Mir fällt dazu „Die Verklärung Jesu“ ein Matt. 17

Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. 4 Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! 6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht

Und hier eine Buchempfehlung … Vom Ewigen berührt
Verborgen hinter dunkler Wolke bist Du mir, Gott. Aber manchmal dringt etwas ein wie Licht, berührt mich Wärme, und ich tauche ein in ein Meer von Trost. Kein Fragen mehr, das mich aufzehrt. Du bist da, das ist genug.
Festhalten möchte ich solche Augenblicke, aber es gibt kein Haben. Schon verdichtet sich wieder die Wolke bis hin zur Undurchdringlichkeit.
Genug, dass der Widerschein des Ewigen mich gestreift hat. Ich bin getröstet, unter meiner Last erstarkt. Und im Dunkeln singe ich Dir ein Lied.
Antje Sabine Naegeli in: „Die Nacht ist voller Sterne. Gebete in dunklen Stunden“ (Herder, Freiburg, Neuausgabe 2020)

 

Mein geliebter Bruder Thomas

Der Text ist aus.. Woran ich glaube von Prof. Helmut Thielicke … und mit einer Texterkennungssoftware übersetzt… deshalb die Fehler im Text

WIE WERDE ICH DES AUFERSTANDENEN GEWISS?
Thomas aber, der Zwölfe einer, der da heisst Zwilling, war
nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm:
Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich
nicht in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger
in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht
glauben. Und über acht Tage waren abermals seine Jünger drinnen
und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Türen verschlossen
waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch! Danach
spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine
Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite und sei
nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu
ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich
gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und
doch glauben!
johannes 20,24-29
Es gibt eine kleine Kölner Miniatur aus dem 13.Jahrhundert, die uns
die entscheidende Begegnung Jesu mit dem Zweifler Thomas zeigt1.
Christus, von seinen Jüngern gefolgt, tritt aus dem Kirchenportal,
während Thomas draußen steht und gerade dabei ist, seine Hand prüfend
in die Nägelmale Jesu zu legen. In dieser Szene sind nun einige
Beiläufigkeiten überaus bezeichnend: Einmal recken sich Jesu Arme
wie Krcuzesbalken über Thomas. Es ist, als ob der unglücklich
Suchende, ohne es zu ahnen, schon unter dem Kreuz stünde. Er ist
bereits, während er noch zweifelt, von jener Segensgebärde Jesu berührt.
Bezeichnend ist auch die aufgewühlte Spannung in den Zügen
des Thomas. Sie scheint zu sagen: Auf das, was sich in den nächsten
Augenbhcken herausstellen wird, kommt alles an. Davon hängt nichts
Geringeres ab als dies, ob ich gerettet bin oder ob ich mich als einen
Bankrotteur endarve, der einer gigantischen Illusion zum Opfer fiel.
Am erstaunlichsten aber ist noch eine letzte Andeutung des Malers:
Thomas, obwohl draußen stehend und noch im Stadium unbewältigten
Zweifels, trägt einen Nimbus, einen Heiligenschein – er ist schon
umstrahlt von einer Glorie, die den übrigen Jüngern noch mangelt,
obwohl sie doch in der Geborgenheit der Nachfolge zu leben scheinen.
Welch eine Gestalt ist das, die so von Verzweiflung und Verheißung
gleichermaßen umschlossen ist» Ich will versuchen, das Bild dieser
Gestalt in einigen Strichen nachzuzeichnen.
Hier geht es um eine von den Geschichten im Neuen Testament, die
sich in keine Theologie einfügen und sich auf keine Formel bringen
lassen. Denn wie sollte ein theologischer Lehrsatz aussehen, den man
1 Sie steht in dem 1250 erschienenen Evangeliar aus Groß-St. Martin in Köln,
Bibliothèque Royale, Brüssel.
aus dieser Geschichte herausdestillieren wollte? Könnte man etwa die
These bilden (und sie dann als Quintessenz dieser Geschichte bezeichnen),
der Glaube bedürfe einer Bestätigung durch die Erfahrung,
durch Sehen und Fühlen; man könne nicht etwas für wahr halten, das
man nicht mit allen Mitteln der Vergewisserung (also zunächst einmal
durch Augenschein und durch Betasten) festgestellt hat ? Offenbar weigert
sich nun unsere Geschichte strikte, in eine solche Formel gepreßt
zu werden. Denn Jesus lehnt es doch gerade ab, daß der Glaube in
solch einem Erfahrungsbeweis gründet: »Selig sind, die nicht
sehen und doch glauben ! «
Oder sollte man vielleicht gerade aufgrund dieses Jesus-Wortes die
umgekehrte These bilden können: der Glaube sei gar kein rechter
Glaube, wenn er »sehen« und »erfahren« wolle -? Der rechte Glaube
müsse vielmehr blind sein. Er müsse voller Risiko ohne eine Rückversicherung
und gleichsam geblendet dem Herrn zu Füßen stürzen.
Doch auch mit dieser These klappt es nicht. Denn Jesus laßt den Thomas
ja sehen und fühlen! Das mag inkonsequent, das mag theologisch
»fragwürdig« sein. Aber so hat Jesus nun einmal gehandelt, und so setzt
er unsere theologischen Bemächtigungsversuche außer Gefecht.
Es ist gut, sich einer Geschichte zu stellen, die man nicht recht unterbringen
kann. Die erzieht einen ganz bestimmt zum Hören und zur
Hinnahme von Überraschungen, zur Vorbehaldosigkeit. Und außerdem
(auch das ist gut!) erinnert eine so inkonsequente, aller lehrmäßigen
Formulierung abholde Geschichte daran, daß die Heilige
Schrift immer größer ist als unser Denken (auch als unsere Theologie!),
daß ihr eine Sprengkraft innewohnt und daß ihr Reichtum nicht
von uns eingefangen und in unsere noch so fleißig und klug gegrabenen
Denkkanäle geleitet werden kann, sondern daß sie uns immer
neu mit ihrer Fülle und ihren Brandungen überflutet und den alten
Adam des theologischen Besserwissers in dieser Flut ersäuft.
Wir wollen nun zunächst die Gestalten in Augenschein nehmen, die
in unserm Text auftauchen.
Daß der Zweifler Thomas schließlich zum Glauben kommt, hegt
nicht zuletzt am Wunder der Gemeinde. Ihr müssen wir zuerst unser
Augenmerk widmen.
Thomas ist bestimmt nicht das gewesen, was man ein »förderndes
Mitglied« der Gemeinde oder gar einen »Renommierchristen« nennen
könnte. Er war nach heutigen Begriffen etwa das, was man als
einen »Randsiedler« oder vielleicht sogar als einen »Linksintellektuellen
« bezeichnet. In entscheidenden Krisenaugenblicken der Gemeinde
hat er nicht gerade Stehvermögen bewiesen. Gewiß: Er hat
sich nicht von der Gemeinde der Jünger getrennt. Aber er war eben
auch keine Säule. Er war kein Mann, dem je ein aufrüttelndes, tröstendes,
ermutigendes Wort geschenkt gewesen wäre.
In gewisser Hinsicht war er aUerdings auch wieder treu. Er war sogar
bereit, mit Jesus zu sterben. Trotzdem aber ging eine lähmende Hoffnungslosigkeit
von ihm aus. Er sprach immer wieder das aus, was die
andern in ihren bangsten Augenblicken kaum zu denken wagten:
Wofür kämpfen und predigen wir?, so gab er fragend zu verstehen.
Wir wissen nicht, was bei diesem ganzen Abenteuer herauskommen
wird, in das wir doch unser Leben investiert haben. »Wir wissen nicht,
wohin du gehst, und den Weg wissen wir auch nicht«, so sagte er
wörtlich und dachte laut vor sich hin (Joh.14,5).
Die anderen wissen wohl ebensowenig, ob sie nicht einer verlorenen
Sache dienen. Thomas aber sagt es offen, daß er es nicht weiß. Und
indem es ausgesprochen wird, ist den Gespenstern der Angst die Tür
geöffnet. Wir verstehen doch, wie es mit solchem Aussprechen ist:
Wir haben etwa eine gute Predigt gehört – nicht so gut und nicht so
vollmächtig, wie das ist, was Jesus sagt, aber doch eine gute, aufrüttelnde
Predigt. Auf einmal sagt einer von uns (und seine Worte fallen
schwer in den Raum) : »Gewiß, eine gute Predigt! Aber draußen quellen
die Massen aus den Fabriktoren und haben sie nicht gehört. Was
soll mit uns werden, wenn die Massen ohne Hirten bleiben und wenn
der Säkularismus alles Fragen nach Gott erstickt? Was soll uns eine
gute Predigt, wenn uns keine Erweckung geschenkt wird? Steuert
nicht eben doch alles auf den Termitenstaat, auf die Roboter und das
Kollektiv zu? Wohin geht Jesus? Ist nicht am Ende doch alles vergeblieh
gewesen – und kommt nun nicht die Nacht, da niemand wirken
kann ? «
So etwas wirkt lähmend, auch wenn wir es selbst schon hundertmal im
stillen gedacht haben. Und so hat Thomas wohl dauernd gewirkt.
Schließlich ist er den Zusammenkünften der Jünger ganz ferngeblieben.
Er ist einer geworden, der nicht einmal mehr »Opposition«
macht, sondern sich wie ein wundes Tier in seine Höhle verkriecht.
Man würde verstehen, wenn die Jünger, wenn die Gemeinde nun
gesagt hätten : »Gott sei Dank, daß wir diesen Bremsklotz, diesen negativen
Kritikaster los sind! « Aber das haben sie eben nicht gesagt, sondern
sie sind ihm treu gebheben. Sie hielten ihn auf dem laufenden
über das, was sie mit Jesus erlebt hatten. Und sie sagten es ihm offenbar
so, daß er sich von ihrer Brüderlichkeit getragen wußte und es über
sich gewann, dann doch in der entscheidenden Stunde wieder unter
ihnen zu sein.
Hier jedenfalls war die Gemeinde nicht die Gesellschaft der neunundneunzig
Gerechten, die so gerne unter sich sind, um einen ungestörten
Erbauungsverein zu gründen. Hier ertrug man auch den unbequemen
Mann, von dem man empfindlich gestört wurde und der immer an
den Grenzen der Häresie entlangwandelte. Man verhielt sich also nicht
wie ein Verein oder eine Partei, die auf homogene Geschlossenheit
bedacht ist; oder wie eine chemisch gereinigte Konfessionskirche, die
niemanden aus der Reihe tanzen läßt. Bitte: Man ertrug einen Mann,
der am Grunddogma der Christenheit, an der Auferstehung, zweifelte
und dem heute eine sich selbst ernst nehmende Kirche sicher ein Lehrzuchtverfahren
an den Hals hängen würde, wenn er einer ihrer Amtsträger
wäre. Wenn sie das meist doch nicht tut, dann in der Regel
sicher nicht, weil sie den andern »mittragen« würde, sondern wohl
nur deshalb, weil sie sich selbst nicht allzu ernst nimmt und weil sie
sich sagt: Im allgemeinen volkskirchhchen Rummel kommt es auf
einige »linksstehende«, »liberale« Elemente nicht an. Wir anderen sind
ja gutes Kraut und werden das bißchen Unkraut schon verkraften, bis
die Sache am Jüngsten Tage in Ordnung kommt und wir dann zur
Rechten Gottes endlich, endlich wieder ungestört unter uns sind.
Das ist wohl der Grund, warum keine Erweckung und kein beunruhigendes
Aufhorchen unter uns ausbricht; darum gibt es unter uns so
wenig Thomas-Wunder. Wer sich nämlich nur als Mitläufer bezeichnet
und einer freundlichen Duldung überantwortet sieht, fängt kein
Feuer. Thomas aber hat der Urgemeinde sicher einen Schmerz darüber
angemerkt, daß sie ihn nicht ganz bei sich haben durfte und daß
er sich von dem Segen ausschloß, dessen sie selbst teilhaftig wurde. Er
trug an seinem Herzen schwere Wunden, aber gerade darum bewegte
es ihn wohl und zog ihn an, daß seine Brüder ihrerseits auch Schmerz
um ihn htten. Denn im Reiche Gottes gilt das Rezept: »Wunden
müssen Wunden heilen.« Wem von uns gibt es noch einen Stich
durchs Herz, wenn wir die gerne gebrauchte Formel »die da draußen
… « oder »die Randsiedler der Kirche … « gebrauchen ? Haben wir
unsere Umwelt nicht fast alle klassifiziert in Christen und Heiden,
Gläubige und Zweifler, Aktiv-Tragende und Indifferente? Wer Menschenseelen
retten will und sich mit Zweiflern und Weltmenschen
abgibt, muß aber einen Schmerz in sich tragen. Sonst »trägt« er den
andern nicht, sondern »toleriert« ihn nur. Und wenn er ihn toleriert,
dann läßt sich der andere auch tolerieren, das heißt: er bleibt neutral
und ist sicher nicht zur Stelle, wenn Jesus sich anschickt, durch die
verschlossene Tür zu kommen. Aber ich fürchte, er kommt dann auch
gar nicht mehr. Und hinter der ungesegneten, hermetisch verschlossenen
Tür jammern dann die Leute ohne Thomas nach einer Erweckung,
nach einer neuen Dynamik des Geistes, die das Feld der Totengebeine
aufrütteln soll. Sie schmieden strategische Pläne, treiben »Public Relations
«, organisieren Großkonferenzen und lassen sich allerhand Werbetricks
einfallen. Aber es passiert nichts. Das Pfingstwunder bleibt aus.
Kann es denn kommen?
Da ist nun Thomas, der Zweifler, selbst. Dieser Thomas: Das sind ja
wohl wir, oder das ist wenigstens eine Stimme in uns. Sehen wir genau
zu, wie er zweifelt. Es gibt nämlich einen Zweifel, der eine Verheißung
hat, und einen Zweifel, der keine Verheißung hat.
In der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus wird uns vom
Zweifel des Thomas berichtet Qoh.n,i6). Da ist es so: In Jerusalem
beginnen sich mehr und mehr die feindlichen Gewalten gegen den zu
formieren, von dem Thomas ebenso wie alle andern angenommen
hatte, daß er die Thcokratie bringen und ein Reich des Friedens aufrichten
würde. Kann es denn – das ist nun die Zweifelsfrage – mit
dieser Annahme seine Richtigkeit haben, wenn der Druck des Messias,
statt sich durchzusetzen, ja zu triumphieren, nur Gegendruck erzeugt,
und wenn dann in dunklen, gedrückten Stunden die Empfindung
aufkommt, daß der Gegendruck sogar stärker wachse und daß
dann im gleichen Maße die eigenen Chancen der erhofften »Christianisierung
« schwänden? Was sind das für düstere Prognosen, die das
Herz umkrallen wollen ? Und wenn sie stimmen : Ist dann nicht auch
die Diagnose falsch, daß Jesus der Weltüberwinder sei ?
Mit solchen marternden Gedanken schlägt sich der Grübler Thomas
herum. Das macht ihn melanchohsch.
Und nun bringt ein letzter Tropfen diesen Eimer der Schwermut zum
Uberlaufen: daß nämlich Lazarus stirbt, daß also der Freund Jesu
stirbt, daß also, nut andern Worten, einer da ist, der stärker ist als Jesus.
Und dieser Stärkere ist eben der Tod. Wenn der den Freund Jesu als
Beute mitschleppt, wird er auch ihn selbst noch fangen.
Vielleicht hat dieses Erlebnis dazu beigetragen, daß Thomas später
auch die Auferstehung des Herrn nicht zu glauben vermochte. Golgatha
war die Probe aufs Exempcl: Da hatte der Tod das Fazit gezogen
und hatte nun auch den Freund des Lazarus geholt. Wer vor dem
Tode kapitulieren mußte, der konnte nicht der Heiland der Welt sein.
So argumentierte und kalkulierte Thomas. Und also zweifelte er.
Aber es war doch eine besondere Art von Zweifel, von der Thomas
bewegt war. Das Besondere daran ist, daß er nicht wegging, sagen wir
einmal: zu den Pharisäern oder zu der Philosophie oder zu einer sonstigen
Weltanschauung, die ihm Sicherheit geben konnte. Wir alle
wollen doch etwas Sicheres. Thomas auch. Aber er ging eben nicht
weg, sondern Thomas sagte : »Kommt, laßt uns mit ihm sterben ! « Das
ist wohl das trostloseste Wort, das in der Bibel steht. Hier sprach einer,
der leere Hände hatte und ohne Hoffnung war.
Wenn aber Jesus nun die Armen selig preist, sollte nicht dann auch
auf denen eine Verheißung ruhen, die arm im Glauben, die hoffnungslos
und schwermütig sind? Das muß wohl bei Thomas so gewesen
sein. Denn seine Hoffnungslosigkeit verführte ihn nicht dazu, daß er
nach anderen Hoffhungen Ausschau hielt, sondern er war bereit, an
seiner Hoffnungslosigkeit zu sterben und in Treue unterzugehen.
Wir müssen nun zu verstehen versuchen, daß in dieser Art der Hoffnungslosigkeit
schon die göttlichen Verheißungen wirksam sind.
Doch dazu müssen wir zuerst die Hoffnungslosigkeit des Thomas
noch genauer untersuchen. Denn mit dem bisher Gesagten haben wir
das tiefste Geheimnis seiner Hoffnungslosigkeit immer noch nicht erfaßt.
Thomas wollte ja nicht nur sterben, er wollte nicht nur etwas
Negatives, sondern er wollte doch die hoffnungslos verlorene Chance
seines Lebens an die verlorene Chance des Nazareners binden. Er war
nicht nur bereit zu sterben, sondern /mïzusterben, eben mit dem zu
sterben, auf den er seine ganze Hoffnung gesetzt hatte.Wenn ich aber
mit einem anderen zu sterben bereit bin, dann übergebe ich mich ihm
ja bis ins letzte, dann wage ich meine ganze Existenz an ihm. Und
genau das tat Thomas hier. Darum war es eine Hoffnungslosigkeit,
über der die Wolke des Segens stand. Er band sein Schicksal nicht deshalb
an Jesus, weil er dadurch reich, glücklich, relativ befriedigt zu
werden hoffte und vielleicht sogar einen Ministerposten im messianischen
Reich erwarten konnte. Er ließ sich mit Jesus nicht ein, um
etwas anderes damit zu erreichen.
Thomas würde sich auch, wenn er heute lebte, mit Jesus sicher nicht
einlassen, um den christlichen Westen oder das sogenannte Abendland
zu retten, um etwa eine Gegenideologie wider den Osten zu haben.
Alle diese Dinge, auf die er »auch« hoffen mochte (die Rettung seines
Volkes durch den religiösen Führer Jesus, der Friede unter den Menschen,
die Propaganda einer weltverändernden Liebesgesinnung), das
alles war für ihn wie ein Traum zerstoben, wie ein sehr schöner Traum.
Auch Thomas hatte ihn ganz gewiß geträumt. Es gibt ja keinen Christenmenschen,
der ihn nicht irgendwann träumte.
Nein, Thomas war ganz hoffnungslos. Er hielt nicht mehr deshalb zu
Jesus, weil er etwas damit zu erreichen hoffte. Sondern er hielt es mit
ihm, weil er ihn hebte, weil er ihm die Treue halten, weil er mit ihm
sterben wollte. Gerade die völlige Hoffnungslosigkeit hatte ihn ganz
auf das Eigentliche, auf das Zentrum, auf die Person des Heilandes
selbst geworfen.
Ich möchte uns nur wünschen, daß auch wir eine Dosis dieser göttlichen
Hoffnungslosigkeit in uns hätten, die noch gar nicht weiß,
welche Segenswolke über ihr schwebt, und nicht ahnt, von welcher
Hand sie gehalten ist.
Halten wir doch einmal – als Gefährten des Zweiflers Thomas – unserer
heimlichen Hoffnungslosigkeit stand: der Sorge zum Beispiel,
daß keine Erweckung mehr über unser Land hinwegbrausen wird,
daß Säkularismus und Indifferenz weiterwachsen, daß die Vermassung
fortschreitet, daß der Herrenname Jesu immer mehr durch die Tatsachen
widerlegt wird und daß nur ein paar alte Leutchen noch um
die Altäre herumhocken. Machen wir uns mit einem tapferen, heroischen,
verzweifelten Ruck einmal los von allen Träumen einer Rechristianisierung
und auch von optimistischen Kirchenstatistiken.
Machen wir uns einmal klar, daß wir als Christen vielleicht entsetzlich
einsame Vögel sein werden, und daß das letzte alte Weiblein, das
uns noch zuhört (sogar in diesem Lande der Reformation!), eines
Tages stirbt, und daß dann die Prediger von einst hausieren gehen
können. Trösten wir uns einmal nicht damit, daß eben dies das »Ärgernis
« sei, das Jesus vorausgesagt habe. Sondern sehen wir den kalten,
schleichenden, beklemmenden Gedanken entgegen, die uns dann kommen;
halten wir der Möglichkeit stand, daß dies alles eine Widerlegung
Jesu Christi sein könnte, daß er uns also, wie es Jean Paul
einmal ausdrückte, als Waisen ohne Vater zurückließe und daß er
selber ein armer Waisenknabe gewesen sei, daß wir also einer fürchterlichen
Täuschung aufgesessen wären.
Hören wir ja nicht vorzeitig mit unserm Zweifel auf! Verdrängte
Zweifel sind nicht gut. Sie schwelen unter der Decke. Und unser
Glaube soll doch nicht das Produkt einer Verdrängung sein! Halten
wir dieser äußersten Hoffnungslosigkeit stand – wie Thomas. Denn
»die Anfechtung lehrt, aufs Wort zu merken« (Luther). Aber dann,
wenn wir so zweifeln, sollten wir nicht davonlaufen oder sterben
wollen oder uns eine Kugel durch den Kopf schießen. Sondern dann
sollten wir uns als Letztes sagen: Gut, dann will ich eben mit ihm
sterben. Hat er sich geirrt: Gut, dann will ich mich auch irren, dann
will ich mich zu seinem Irrtum bekennen, dann will auch ich mir
nicht zu gut sein für diesen Irrtum und mit ihm in den Abgrund
stürzen.
Wenn ich das so sage, habe ich mich auf Jesus geworfen, wie das kein Mensch
tun kann, der heimlich von anderen Hoffnungen lebt. Dann bin ich gerade
ganz und bis ins letzte sein Jünger, nur sein Jünger und kein heimlicher
Anhänger einer christlichen Kultur (etwa einer wirksamen
christlichen Gegenparole gegen den Osten, die mich im Grunde zu
nichts verpflichten würde). Dann hat mich gerade und ausgerechnet
meine völlige Hoffnungslosigkeit in seine Arme getrieben.
Darum sind auch die Hoffhungsarmen gesegnet. Denn nur sie haben
ihr Schicksal ja an Jesus gebunden, wenn auch verzweifelt gebunden.
Und Jesus betrügt uns nicht. Unsere Hoffnungen trügen alle. Unser
Leben ist ja voller Enttäuschungen: Unsere Pläne erfüllen sich nicht,
wir haben lange Durststrecken in unserm Leben zu überwinden, und
viele Menschen, denen wir vertrauen, halten das nicht, was sie versprechen.
Aber Jesus betrügt uns nicht.
Wir sollen ihm ruhig-meinetwegen verzweifelt-die Verantwortung
zuschieben, das unter Beweis zu stellen. »Zeige mir, was an dir ist«,
so dürfen wir ihm sagen, »und wenn nichts an dir ist, hat alles andere
auch keinen Zweck mehr.« Und Jesus zeigt, was an ihm ist. Mich
lockt es, die Geschichte von Verzweifelten, von Thomas-Naturen zu
erzählen, in denen dieses Experiment mit Jesus gewagt wurde. Ich
will es nicht. Aber eines steht fest: Die hoffnungslos Zweifelnden
haben eine entscheidende Chance. Ihnen sind alle Stützen zerbrochen;
sie stützen sich nur noch auf Jesus selbst und wissen auch hier nicht,
ob dieses Fundament hält. Aber indem sie diese letzte Stütze ausprobieren,
haben sie’s eben mit Jesus allein zu tun. Und das ist die größte
Chance unseres Glaubens. Nun hat Jesus, und nur er selbst das Wort –
und er spricht tatsächlich: Selig sind die Armen, selig sind die Hoffnungs-
Armen, sehg sind die Zweifelnden, die mit mir sterben wollen.
Denn mit solchen Leuten will ich gerade leben. Manchmal mag es
tröstlich sein, wenn wir ganz am Ende sind und alle menschlichen
Möglichkeiten zerschlagen werden und alle Flucht- und Auswege
blockiert sind. Dann kann ein Augenblick kommen, wo wir sagen:
Das ist das Ende. Nun hat Gott allein die Verantwortung. Jetzt kann
ich mich nur noch wie ein Kind ins Dunkle fallen lassen.
Haben wir also verstanden, daß des Thomas Zweifel ein ganz bestimmter
Zweifel ist? Daß er jedenfalls kein blasierter Zweifel ist, der
von Selbstsicherheit strotzt, und erst recht nicht jener verlogene snobistische
Zweifel, der nur unverbindlich disputieren und sich in Wirklichkeit
nur aus der Affäre ziehen möchte ? Thomas zieht sich ja gerade
nicht aus der Affäre. Thomas wirft sich vielmehr mit allem, was er ist,
in die Waagschale. Er ist bereit, an seinem Zweifel zu sterben und sein
altes Leben gerade nicht an den fragenden Augen Jesu vorüberzurettcn.
Es ist ein sehnsüchtiger, nach Wahrheit hungernder Zweifel. Und
darum gilt ihm nicht nur die Verheißung: »Selig sind die Armen… «,
sondern auch: »Sehg sind, die da hungert und dürstet.«
Wir mußten einen Blick auf die Vorgeschichte unseres Textes werfen.
Denn nur dann können wir den Sinnzusammenhang richtig erkennen,
in dem er steht. Er ist nämlich der letzte Akt im Drama des Zweifels.
Er schildert den Augenblick, in dem er auf seine Höhe kommt, wo
aber auch alle Verheißungen in Erfüllung gehen.
Thomas ist nun wieder bei der Gemeinde. Er ist sozusagen »herbeigeliebt
« worden. Die Jünger haben ihm erzählt: »Wir haben den
Herrn gesehen. Er ist durch die verschlossenen Türen gekommen.«
Dieser Bericht kann allerdings der tiefen Redlichkeit dieses Zweiflers
nicht genügen. Das ist wieder charakteristisch für ihn.
»Er ist durch die verschlossenen Türen gekommen, sagtet ihr?« so
fragt Thomas. Und er fügt in Gedanken hinzu: Es könnte ein Geist
gewesen sein. Und Geister, die man zu sehen glaubt, sind meistens der
Herren eigener Geist.
Dem Zweifler genügt also auch dieser Hinweis nicht. Er will nur
glauben, wenn die Gegenwart des Auferstandenen eine Realität ist
und wenn es ihm nicht bloß um »Gedanken« und »Geister« geht, die
den wirklichen Realitäten zum Verwechseln ähnlich sehen können.
Während er nun so zweifelt, kommt Jesus wieder durch die verschlossene
Tür und spricht: »Friede sei mit euch.«Er sagt nicht »Friede sei
mit euch – außer Thomas, denn der hat ja keinen Frieden, sondern er
hadert mit mir.« Nein, er schließt den heben Zweifler in seinen Friedensgruß
mit ein. Und nicht nur das, sondern er redet ihn auch sofort
an und fordert ihn auf, die Hände in seine Wundmale zu legen.
Das ist eine großartige und tröstliche Sache. Hier wird deutlich, welches
Verhältnis Jesus zu diesem armen Zweifler, zu uns armen Zweiflern
hat.
Zunächst muß man nämlich feststellen: Er zürnt Thomas nicht um
seines Hadems willen, sondern er gibt ihm zu verstehen: Ich weiß um
dich. Das ist das letzte, was wir festhalten dürfen, wenn uns der Zweifel
überkommt: Jesus weiß um uns, und er zweifelt nicht zurück, er
zweifelt deshalb noch längst nicht an uns, wenn wir an ihm zweifeln.
(Er hat ja auch unsern Zweifel auf sich genommen. Hat er ihn nicht
furchtbar in seinem Kreuzesschrei durchgemacht und ausgerufen:
»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« Genauso,
wie er unsere Schuld und unsern Tod auf sich genommen hat, hat er
auch unsern Zweifel getragen.)
Ferner: Jesus wartet nicht, bis Thomas ihn auffordert, sondern ungefragt
ist er plötzlich da, auch mit seiner Antwort, und zwar in einer
Weise, wie Thomas sich’s nicht hat träumen lassen. Auch hier gilt es:
»Er wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst« (Paul Gerhardt).
Und endlich: Jesus kommt ihm nicht mit einer »Theorie« über den
Glauben. Er sagt dem Thomas nicht etwa: »Dein Anliegen ist theologisch
nicht ganz legitim. Die mir gegenüber angemessene Haltung
ist ja gar nicht das Sehen, Fühlen, Erfahren, sondern das blinde Glauben.
«
So reden wir Theologen immer wieder in unsern Disputen. Darum
glauben uns auch so wenige Leute. Es wäre ja wahr gewesen, wenn
Jesus so gesprochen hatte. Denn der Glaube ist tatsächlich unabhängig
von der Bestätigung des Fühlens und Sehens. Aber diese Wahrheit
hätte für Thomas in diesem Augenblick eine Überforderung bedeutet.
So weit war er noch gar nicht, daß er eine solche Wahrheit hätte
verkraften können. Würde er heute leben, dann gäbe es von Kant
oder Jaspers her allerhand darauf zu erwidern, und im Handumdrehen
würde eine fulminante Debatte entstehen, die sicher in ihrem
Ausgang – wie die meisten Debatten – dem Hornberger Schießen
gliche.
Jesus tut vielmehr etwas ganz anderes. Er tut das schlechthin Unerwartete.
Er läßt sich herab zu diesem armen Zweifler. »Das Sehen macht’s
wahrhaftig nicht«, mag Jesus denken. »Thomas ist noch ein armer
Anfänger, ein Amateur des Glaubens, der noch gar nicht begriffen
hat, worum es eigentlich geht.« Doch das hindert Jesus nicht, auf diesen
armen dilettantischen Anfänger im Glauben einzugehen. Jesus verhält
sich sozusagen nicht legitim, wie er es müßte, wenn er entsprechend
den Rezepten der dogmatischen Lehrbücher handeln würde, in
denen er unter der Überschrift »Christologie« vorkommt. Und im
theologischen Examen hätte er sicher einen Minuspunkt bekommen!
Denn bitte: Bedeutet des Thomas Forderung denn nicht, daß er dem
Herrn in aller Unschuld eine Bedingung stellen will: »Es sei denn,
daß du das und das tust, sonst will ich nicht an dich glauben?« Darf
man denn so sprechen? Nein, man darf es nicht, es ist nicht legitim.
Aber Jesus tut das Illegitime, tut das, was dem Satz des Paulus »Allein
aus Glauben«, ziemlich massiv widerspricht. Er zeigt sich ihm, er läßt
sich ein bißchen schauen und fühlen. Des Menschen Sohn ist nicht nur
ein Herr über den Sabbat (Markus 2,28), sondern auch über Glaubenssätze,
und erst recht über die Methoden, mit Glaubenssätzen umzugehen.
Daß er Mensch geworden ist, heißt ja, daß er den Menschen in seiner
Tiefe abholen will. Seine Bewegung geht immer nach unten. Und so
läßt er sich denn hier noch einmal herab, geht noch ein Stückchen
tiefer: nicht nur zur Höhe des menschlichen Herzens, sondern gar bis
zu den Fingerspitzen.
Das dürfte auch eine Anweisung für die Zeugen Jesu sein. Da ist vielleicht
einer, der von der Korrektheit eines orthodoxen Glaubens keine
Ahnung hat, der dafür aber um so mehr von Unfrieden und Angst
bedrängt ist. Sollen wir dem gleich mit Kierkegaard kommen oder
ihm einen Vortrag über die heilige Dreifaltigkeit oder die Geheimnisse
der Prädestination halten ? Oder sollten wir ihm nicht erst einmal
schlicht »erzählen«, wie das ist, wenn Jesus in ein Leben kommt:
daß man dann so etwas wie Frieden kriegt, daß das eine sehr schöne
Sache ist, daß man dann überhaupt mit neuen Augen in die Welt
blickt? Das könnte dann nach Gefühl und subjektiven Erlebnissen
schmecken. Und in einer solchen Aussage wären denn auch sicher
nicht die letzten Geheimnisse des Glaubens enthalten.
Aber wir wären uns, wenn wir so redeten, jedenfalls nicht zu gut
gewesen, auf den armen Glaubensdilettantismus eines solchen Menschen
einzugehen. Und vielleicht verstände er uns. Es wird dann
immer noch Gelegenheit sein zu sagen: Du, es kommt beim Glauben
nicht auf das subjektive Gefühl, es kommt nicht auf das Sehen und
Erfahren an. Vielmehr gilt: Selig sind, die nicht fühlen und doch glauben.
Aber das sagt Jesus eben am Schluß und nicht am Anfang. Es
kommt viel auf die Reihenfolge von Milch und fester Speise an. Wir
sollten bei Jesus selbst ein wenig in die Schule gehen, um zu lernen,
wie wir es unserm Nächsten sagen.
Und nun schaue man hin und wundere sich: Thomas wird zum Glauben
überwunden. Er sagt: »Mein Herr und mein Gott.«
Was hat ihn denn nun eigentlich umgeworfen? Sollte es wirklich die
einmalige besondere Möglichkeit gewesen sein, daß er Jesus hat anfassen
dürfen und daß ihm ein Erfahrungsbeweis für die Realität des
Auferstandenen zuteil wurde? Das wäre eine schlimme Sache für uns.
Denn uns steht das alles ja nicht mehr zur Verfügung, und Thomas
könnte dann höchstens zum Gegenstand einer historischen Anekdote
für uns werden.
Oder hat ihn womöglich etwas ganz anderes überwunden: die Tatsache
vielleicht, daß Jesus sich so zu ihm herabließ ? daß er einfach überwältigt
war davon, daß einer seinen armen Zweifel nicht verschmähte,
daß also jemand hier neben ihn trat und sich nicht in seiner Auf erstehungsglorie
über ihn stellte» daß er auf diese Weise die unendliche,
ihn suchende und ihm nachgehende Liebe spürte? daß er sah, wie
Jesus die treue Jüngergemeinde einfach stehen Heß und ihm, ganz allein
ihm nachging, obwohl er doch nichts hatte»
Ich glaube, daß die Frage, was von beiden den Thomas überwunden
hat, ganz klar zu beantworten ist.
Hätte ihn das Fühlen und Erfahren und Sehen überwunden, dann
würde er wie bei einer ärztlichen Diagnose feststellen müssen: »Ja, es
stimmt. Die Nägelmale sind echt und sind zu spüren; er ist es. Er ist
tatsächlich auferstanden und lebt.«Er hätte also in der dritten Person
von Jesus reden müssen: »Er« lebt, »es« stimmt. Und eben das tat er
nicht, sondern er sagte »du« zu ihm. Er sagte: »Mein Herr und mein
Gott.«
Das Fühlen und Befühlen und Erfahren war auf einmal ganz gleichgültig
geworden. Es wird uns nicht einmal berichtet, ob Thomas von
dem Angebot Jesu überhaupt Gebrauch gemacht hat, ob er also wirklich
seine Hände in die Wundmale gelegt habe. Das alles tritt auf einmal
zurück, ist zumindest unwesentlich geworden und ist entweder
gar nicht geschehen oder braucht kaum noch erwähnt zu werden.
Beruht also des Thomas Glaube wirklich nur auf dem Sehen? Wäre
sein Herz ohne die Zuhilfenahme seiner Fingerspitzen geistlich tot
geblieben? Und sind wir Ärmsten des 20. Jahrhunderts nicht erst
recht verraten und verkauft, weil wir die Fingerspitzenkontrolle ja
gar nicht mehr ausüben können ?
Aber des Thomas Glaube beruht nicht auf dem Sehen und Fühlen.
Denn wenn er sagt: »Mein Herr und mein Gott«, dann spricht er ja
damit unendlich viel mehr aus, als er gesehen und gefühlt haben
könnte. Er sagt ja: »Mein Herr«. So etwas kann bloßes Sehen und
Betasten niemals aus sich hervorbringen.
Selbst wenn ein Historiker, um einen Parallelfall zu konstruieren, zu
der wissenschaftlichen Einsicht käme, daß die historische Dokumentation
der Auferstehung Jesu schlechthin lückenlos und einwandfrei
wäre: Würde er dann wohl mehr erleben als ein großes Erschrecken,
als das fassungslose Staunen über eine historische Einmaligkeit? Er
würde auf diese Weise nie zu dem Bekenntnis kommen: »Mein Herr
und mein Gott.« Daß Thomas nicht einfach sagt: »Es« stimmt, sondern
daß er sagt: »Mein« Herr, das zeigt, daß er den Herrn nicht an physischen
Kennzeichen, sondern an seiner Liebe wiedererkannt hat, ähnlich
wie das vielleicht Maria am Ostermorgen getan hatte.
Daß Jesus sich dem Sehen und Fühlen darbot, wird damit auf seinen
wahren Rang zurückgeschraubt. Das war sozusagen ein erstes Auslösendes,
das war das hebevolle Eingehen auf eine Glaubenshemmung,
aber das war nicht die Ursache des Glaubens. Es gibt ja solche Aufräumearbeit
auch in unserer Verkündigung. Sie ist so etwas wie ein
Magddienst und hat noch nichts mit der Entstehung des Glaubens
selbst zu tun.
Ich denke etwa daran, daß Herr X in seinem Leben einigen Christen
begegnet ist, die einfach Nieten waren und ihn bitter enttäuscht haben.
Wie mancher hat auch durch einen Pfarrer, durch dessen Egoismus,
durch den Widerspruch zwischen Verkündigung und Leben eine Verprellung
erfahren, die ihm das ganze Christentum unglaubwürdig
macht. Auch das ist natürlich kein stichhaltiger Einwand gegen den
Glauben. Denn es kommt ja nicht auf die unvollkommenen Menschen,
sondern auf den Herrn selber an. Aber dieser absolut richtige Hinweis
nützt dem Herrn X ebensowenig, wie es dem Thomas geholfen hätte,
wenn man ihm – wieder vollkommen richtig – davon gesagt hätte,
daß der Glaube selbständig sei und unabhängig von der Erfahrung.
Und nun begegnet dem Herrn X in der Gefangenschaft oder im Kreis
seiner Kollegen oder irgendwann in den Ferien ein Christ, der gar
nicht viel spricht, der aber ganz und gar echt ist, dem man die Jüngerschaft
sozusagen ansieht. Man merkt das an der Art, wie er mit einfachen
Menschen umgeht, an seiner Treue, an seiner Selbsdosigkeit
und anderen Dingen, die teils moralischer, teils nicht ganz definierbarer
Art sind. Herr X sagt: »Man fühlt dem Herrn Y an, daß sein
Glaube eine Lebensmacht ist«, und er ist auf einmal bereit, seine Skepsis
zu überprüfen und jedenfalls hinzuhören, wenn dieser Mann ihn
abends in einen Kreis mitnimmt, in dem man vielleicht einen Bibelabschnitt
meditiert oder über Glauben und Nihilismus miteinander
spricht.
Nehmen wir einmal an, Herr X geht nun öfter mit, vielleicht nur aus
persönlicher Anhänglichkeit und beileibe nicht aus Glaubensdurst und
Hcilsverlangen. Nehmen wir einmal an, er sagte sich: Mein Freund,
der Christ, mag ein Phantast sein, aber jedenfalls ein Phantast von
Format und Konsequenz und ohne einen falschen Ton. Jene Illusion,
die er als seinen »Glauben« bezeichnet, kann für mich auch nicht zu
schlecht sein. Es mag Unsinn sein, – aber gut, dann will ich eben mit
ihm scheitern. Nehmen wir einmal an, er käme auf eine so hintertrepplerische
Art zu den ersten Glaubensschritten, zu einem allerersten
Berühren des Gewandes Jesu ; und er wüchse nun von da aus Stück
um Stück, weil eben ein anderer mit auf den Plan getreten ist. Meinen
Sie nicht: Sein Freund würde ihn eines Tages vornehmen und zu ihm
sagen: »Du! Genauso wie es falsch war, daß du dich durch diesen
Christen, dem du begegnetest und der vielleicht versagte, vom Glauben
abbringen ließest, genauso ist es auch falsch, wenn du nur deshalb
glaubst, weil du ein bißchen von der Herrlichkeit Jesu in mir abgebildet
findest oder zu finden meinst. Selig sind, die keinen solchen Menschen
> sehen < – die vielleicht in einem modernen Tyrannengefängnis
hocken und nur mit Robotern zusammenkommen – sehg sind, die
nicht sehen und doch glauben.«
So mag es auch dem Thomas gegangen sein: Daß Jesus sich ihm zeigte,
war ein erstes Auslösendes, ein rührendes Eingehen auf die Skepsis
des Thomas, die das gar nicht verdiente. Jesus wollte nicht mit
ihm diskutieren, sondern ihn bei der Hand nehmen. Und dann am
Schluß dieser Begegnung (aber wirklich am Schluß, nachdem die
Liebe und das Abholen ihren Dienst getan haben), da bindet er ihn
von der »Nichtschwimmerangel«, von jenem Hilfsseil des Sehens und
Fühlens, los, und nun muß Thomas sich freischwimmen. Und wie
gesagt: Vielleicht hatte Thomas auch vorher schon das Angelgestell
gar nicht ergriffen, sondern hatte die ersten Züge seines Glaubens
tapfer gemacht, weil er den sah, unter dessen Augen er schwamm.
Es wäre gut, wenn auch wir (als die Schicksalsgenossen des Thomas!)
gleichfalls dahin kämen, einmal »mein Herr und mein Gott« sagen
zu dürfen, nachdem wir lange genug gezweifelt oder in halber Verblendung
vom »Christentum« oder vom »christlichen Abendlande«
gesprochen haben.
Es wäre gut, wenn wir selbst in den Augenblicken schhmmster innerer
Unruhe diesen einen Gedanken festhielten, daß Jesus auch dann um
uns weiß und uns nicht fallen läßt. Sehg sind die Hofmungsarmen,
denn gerade sie sollen sagen dürfen: »Mein Herr und mein Gott.«
Wenn wir ihn aber so kennenlernen und seine Jünger geworden sind,
möge uns die Gnade zuteil werden, daß wir uns nicht über die zweifelnden
Thomasse um uns herum erheben. Wir wollen nicht mit ihnen
disputieren, sondern ihnen ein wenig von der Herrlichkeit Jesu zu
zeigen suchen, so wie sie es eben verstehen, vielleicht ohne Worte und
mit der schlichten Sprache der Tat. Und wir sollten keine Angst haben,
ob jedes Wort dabei schulgerecht und von chemisch reiner Orthodoxie
ist. Der, zu dem wir da reden, soll ja kein »Dogma« unterschreiben!
Er ist doch nur eingeladen, dem Meister zu begegnen und
seinen Frieden zu empfangen.
Wir wollen nicht müde werden, darum zu bitten, daß der Herr zu uns
und den andern Zweiflern kommt und in seiner unermeßlichen Güte
sagt (wie er es beim Tode des Lazarus aussprach) : »Diese Krankheit
ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes (Joh. 11,4)… und gerade
die, die am Ende sind und denen alle Chancen zerschlagen werden,
sollen die Träger der Verheißung sein. Sie sollen mit Wundern überschüttet
werden, von denen sie sich nichts träumen lassen. Und während
sie gebannt nach einem Fluchtweg Ausschau halten, bin ich durch
eine ganz andere Tür schon eingetreten und stehe neben ihnen.«
Vortragsabend mit
Prof. Dr. Hermann J. Selderhuis , Hasselt/ NL
Aus (NK) Jesus sagt: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben.
Johannes 5,24
Es gibt Stellen in der Bibel, die mich besonders beschäftigen, mir manchmal aber auch Kopfzerbrechen bereiten. Jesus sagt, wer ihm vertraut, hat ewiges Leben – Punkt. Kein Wenn, kein Vielleicht. Das steht so fest wie die Auferstehung der Toten (V. 28). Dabei hängt alles von Jesus ab. Wer auf ihn hört, wer ihn hört, der lebt – auch wenn er stirbt (V. 25). Wer abwartet oder sich gegen ihn entscheidet, der hat das ewige Leben nicht. Seine Gegner werden das als Anmaßung empfunden haben. Damit macht er sich doch zu Gott (vgl. Kap. 10,33)!
Ich habe mich nach der Konfirmation für Jesus entschieden. Seither bin ich mit ihm unterwegs. Das ist kein immerwährender Sonntagsspaziergang. Aber heute kann ich sagen, dass es sich lohnt, an Jesus zu glauben, ihm zu vertrauen. Menschen, die ich begleite, will ich mitnehmen auf diesen Weg. Ich will sie ermutigen, sich Jesus ganz zuzuwenden.
Autor: Lydia Schranz
ALLZU VIEL IST UNGESUND
Ja, weißt du, sagte er, das ist ja alles schön und gut. Man hat ja nichts dagegen, wenn einer Gutes tut. Und glauben ist ja auch nicht schlecht, schon wegen der Moral, dass alles seine Ordnung hat. Doch bleib nur hübsch normal.
Und weißt du, sagte er, das gibt sich alles mit der Zeit. Komm erst mal in mein Alter, dann bist du auch soweit. Da reißt man keinen Baum mehr aus, ist nicht mehr so extrem, ist auch zum vielen Singen und Beten zu bequem.
Denn allzu viel ist ungesund, so sagte er sehr weise, und dann gab er mir noch manchen guten Rat. Und ich stand da und sagte was und wusste nur das eine, dass mein Herr für mich nicht weniger als alles tat.
Und trotzdem sei es so, dass es bei Gott nichts Halbes gibt, dass man ihn, wie sein Wort es sagt, ganz oder gar nicht liebt.
Manfred Siebald
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Das sagt JESUS im Johannesevangelium. Ganz viele Leute waren da, als er das sagte. Zwei Sätze vorher sagt er auch noch: „Ich bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, der qird keinen Hunger mehr haben und wer an mich glaubt, der wird keine Durst mehr haben.“ Er meint den Hunger und den Durst nach Sinn und Tiefe im Leben.
Darum geht es.
Wenn ich das so höre, dann bin ich schon etwas neidisch. Nicht, dass ich etwa mich mit Jesus vergleichen würde (und vergleichen könnte!). Aber ich bin glatt ein wenig „neidisch“, wenn ich in den Evangelien lese, wie er Menschen von der Sache mit GOTT begeistern konnte.
„Wer zu mir kommt den werde ich nicht abweisen“ – und dann sehe ich den manchmal leider lauen Besuch in den Gottesdiensten in Egge und Uelsen! Ja, wirklich: Ich denke, mit und seid Corona haben wir leider von einer Anzahl von Gottesdienst-Besuchern Abschied nehmen müssen.
Woran liegt das?
Ein Teil der älteren Besucherinnen und Besucher ist alt geworden. Vielleicht auch zu alt, um den Weg zur Kapelle oder Kirche auf sich zu nehmen.
Kann sein.
Manche der „Treuen“ sind einfach nicht mehr da.
Das auch.
Aber man kann sich vom Besuch auch „entwöhnen“.
Für die meisten Leute gehört der Gottesdienstbesuch als „Mitte der Gemeinde“ nicht oder nicht mehr zum Wochen(end)ablauf. Sie sehen sich wohl als Teil der Gemeinde, nehmen aber an keinen Gottesdiensten und auch an keine anderen Veranstaltungen der Kirchengemeinde teil.
Schade.
Sprechen wir (beziehungsweise „das Format Gottesdienst“) die Menschen nicht an?
Liegt es an den Pfarrpersonen, liegt es an der Zeit, liegt es an den Themen, die wir in den Gottesdiensten ansprechen? Ja: Fühlen sich Menschen nicht mehr „angesprochen?
So oft höre ich bei Hausbesuchen: „Wissen Sie, wir sind ja nicht „die regelmäßigen“ Kirchgänger…!“ Darum geht es nicht (nur nebenbei: Was heisst überhaupt „regelmässig“? Jeden Sonntag? Alle zwei Wochen? Einmal im Monat oder einmal im Jahr?)
Und es ist ja nicht so, dass niemand mehr kommt!
Es gibt Trauergottesdienste (in der Kirche und in der Trauerhalle), die sind gut besucht.
Da kommen viele. Die Menschen möchten von einer Person bewusst Abschied nehmen, die ein Stück ihres Lebens mitgegangen ist (Darum finde ich es sehr schade, wenn die Trauerfamilie eine Beerdigung im kleinen/kleinsten Kreis wünscht – aber das ist ein anderes Thema).
Oder kirchlichen Trauungen, die in diesem Jahr endlich wieder anziehen:
Auch da sehe ich viele Menschen, die sich gemeinsam mit dem Brautpaares in der Kirche versammeln und einen fröhlichen Gottesdienst feiern. Manchmal höre ich, dass die Trauung „so persönlich“ gestaltet wurde.
Schön.
Das ist mir auch wichtig!
Es muss eine Verbindung (neudeutsch „ein Link“) bestehen zwischen dem Wort GOTTES und den Personen, um die es geht. Denn sonst kann keine Kommunikation entstehen. GOTTES Wort, SEINE Nachricht an die Menschen braucht einen Adressaten, eine Adressatin, an die es gerichtet ist. Verkündigung der für mich so guten Botschaft 😊 Evangelium) unseres GOTTES „von oben herab“ bzw. über die Köpfe der Menschen hinweg, wie es früher (vielleicht) einmal war, funktioniert nicht mehr.
Es sind jetzt andere Zeit. GOTT sei Dank!
Also: Wenn JESUS sagt, dass er keinen abweist, der zu ihm kommt(und damit auch zum Gottesdienst und zum Friedensgebet um 18 Uhr in unserer Kirche), dann gilt auch für die zweite Jahreshälfte.
Herzlich willkommen! Oder: Man sieht sich!
Ihnen eine schöne Sommerzeit
Ihr Pastor Bodo Harms
Das Versprechen!

 

Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen
Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern
Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.
Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr.
Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. aus Joh.14
Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich
von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht;
dies ist meine Zuversicht.
2. Jesus lebt! Ihm ist das Reich
über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich
ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht:
dies ist meine Zuversicht.
3. Jesus lebt! Wer nun verzagt,
lästert ihn und Gottes Ehre.
Gnade hat er zugesagt,
dass der Sünder sich bekehre.
Gott verstößt in Christus nicht;
dies ist meine Zuversicht.
4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein,
sein sei auch mein ganzes Leben;
reines Herzens will ich sein,
bösen Lüsten widerstreben.
Er verlässt den Schwachen nicht;
dies ist meine Zuversicht.
5. Jesus lebt! Ich bin gewiss,
nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis,
keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht;
dies ist meine Zuversicht.
6. Jesus lebt! Nun ist der Tod
mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot
wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht:
„Herr, Herr, meine Zuversicht!“
Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ (1.Könige 19,7)
Predigt Pastor Beuker

Author / Martin Benz

In diesem Movecast führe ich ein Gespräch mit Professor Siegfried Zimmer.

Wir sind seit einigen Jahren gut befreundet und sprechen über persönliche und theologische Themen: Woher kommt seine lebensnahe Spreche? Was bedeutet ihm Jesus? Wie versteht er die Bibel? Was ist für ihn Inspiration? Was hält er vom freien Willen? Wann macht Glaube krank? Welche Art von Glauben wünscht er sich für seinen kleinen Sohn? Was ist seine Botschaft für die Kirche? Wie geht es seiner Gesundheit? Was sind seine Träume für die Zukunft?

 

KEINE SACHE DES KALKÜLS
Ich kann die Leute gut verstehen, die meinen Glauben an Gott und mein Vertrauen auf Jesus infrage stellen. „Wo war er denn, dein Gott?“ „Warum hat er dein Gebet nicht erhört?“ Ich bin ratlos. Die Erklärung, die ich von früher her kenne, kommt mir nicht mehr so leicht über die Lippen: „Ja, das hat alles seinen tieferen Sinn. Wer weiß, was vielleicht noch Gutes daraus erwächst!“ Ich weiß es nicht. Stimmt. Mein Glaube an Gott hat nicht für alles eine Erklärung. Mein Gebet hat keine Erfüllungsgarantie. Ich habe Gott nicht in der Hand. Die Beweislage ist dünn.
Aber durch das, was ich in der biblischen Geschichte und durch eigene Erfahrungen im christlichen Glauben gelernt und erfahren habe, ist mein Vertrauen zu Jesus gewachsen. Er hat mich in der Hand und er hält mich. Ich weiß, das ist kein Beweis für Skeptiker. Aber ein Hinweis, der einlädt, eigene Erfahrungen zu machen. Aus NK

Prof. Thorsten Dietz – 

Jesus sagt: Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße.

Jesus befindet sich in schlechter Gesellschaft! So sehen es zumindest die Pharisäer und Schriftgelehrten. Und sie sind sich einig: So etwas gehört sich einfach nicht! Gerade hatte Jesus den Zöllner Levi in seine Nachfolge gerufen. Aus Dankbarkeit und Freude darüber richtet dieser ein Festmahl aus und lädt viele ein, mit denen sich ein Frommer nie an einen Tisch setzen würde. Jesus und seine Jünger aber sind direkt dabei. Dieses Verhalten ist so irritierend, dass es nur Kopfschütteln hervor. rufen kann.

Haben wir nicht auch so unsere Vorstellungen, wer zu uns passt und wer auf keinen Fall zu uns gehören darf? Jesus dagegen kennt keine Berührungsängste. Er weiß, wozu er gekommen und was sein Auftrag ist, egal, wie andere es sehen und darüber denken. Und genau das ist die Chance für Levi. Und ist das nicht auch unsere Chance, deine und meine? Ich darf zu Jesus kommen, wie ich bin – aber ich werde nicht so bleiben.

Brückenbauer

1968 verbrachte ich einige Wochen in San Francisco, als gerade die Jesus-People-Bewegung ihren Anfang nahm. Junge Leute mit langen Haaren, exotischen Gewändern und unkonventionellen Verhaltensweisen fanden zum lebendigen Glauben an Jesus Christus und kamen in die Gottesdienste. Für viele traditionelle Gottesdienstbesucher war es ungewohnt und befremdlich, wenn sich diese Gestalten auf dem Boden vor dem Altar niederließen. Man hielt gebührenden Abstand. Unvergesslich ist mir aber, als sich eines Morgens ein gut gekleideter Herr aus der Gemeinde diesen fremden Gästen anschloss. Er setzte sich ganz selbstverständlich zu ihnen auf den Boden und nahm zu seinen etwas verunsicherten Nachbarn Kontakt auf. Damit wurde er zum Brückenbauer zwischen der Gemeinde und den Jesusleuten. Wie viel Segen ist immer wieder von Menschen ausgegangen, die sich Fremden zugewendet haben!

2.01.2022 ( NK )
Es glaubten aber an Jesus viele der Samariter aus dieser Stadt um des Wortes der Frau willen.
Johannes 4,39
Was wäre eigentlich gewesen, wenn die Frau aus Sychar, die am Jakobsbrunnen Jesus begegnet war, alles für sich behalten hätte? Nichts wäre gewesen. Die Leute, mit denen sie lebte, hätten nichts erfahren. Alles wäre so weitergegangen wie zuvor. Aber so war die Frau nicht, nein, sie wurde eine Zeugin für Jesus. Für sie gab es nur eins: Das muss ich weitersagen! Das geht alle an! Vielleicht ist sie sogar nach Hause gerannt. Denn wenn wir von etwas tief berührt sind, dann müssen wir davon erzählen. So soll es sein.
Die Frau hat ja nicht irgendein Erlebnis zu vermelden. Sie hat Jesus gefunden. Der hat ihr die Wahrheit über ihr Leben gesagt. Und er hat ihr eine große Zukunft ausgemalt, Leben in Fülle. Davon sind die Leute wach geworden. Endlich eine Hoffnung, die den grauen Alltag überstrahlt! Sinnvolles Leben zeichnet sich ab. Das gilt alles auch heute. Jesusleute sind reich beschenkt. Kommt, sagt es allen weiter!
Autor: Hartmut Bärend
DA LACHT JA DER OMNIBUS
Das war die regelmäßige Bemerkung eines jungen Mannes, wenn er etwas Blödes oder Unwahrscheinliches hörte. Er sprach es so, als würde Omnibus mit drei „o“ geschrieben. – Wenn einer sagt: „Christsein ist eine traurige Sache.“ Wenn einer sagt: „Nur Omas und Pastoren beten.“ Wenn einer sagt: „Die Bibel ist ein veraltetes Buch.“ Wenn einer sagt: „Mit Jesus bin ich fertig.“ Obwohl er sich nie ernsthaft mit Jesus beschäftigt und sich seinem Wollen ausgesetzt hat. Dann lacht ja der Omnibus! – Wenn aber einer aufhört, in Phrasen zu reden. Wenn einer ernsthaft sucht, sich mit der Person Jesus beschäftigt, das Neue Testament liest, seine kritischen Fragen nicht unterdrückt, aber Antworten sachlich prüft, wenn einer um die Erkenntnis der Wahrheit ringt, auch die Konsequenzen aus der gewonnenen Erkenntnis nicht scheut, dann lacht kein Omnibus. Dann lacht Gott. Denn er freut sich über jeden, der umkehrt.
Ulrich Parzany
Erst in der Nacht
Erst in der Nacht kann ich die Sterne sehen, entdecke jedes noch so ferne Licht, manchmal muss ich durch Dunkelheiten gehen, erkenne sonst den Hoffnungsschimmer nicht.
Erst in der Wüste suche ich die Quelle, den Weg, der mich bis zur Oase führt, wer satt ist, tritt nur immer auf der Stelle, weil er den Durst nach Leben nicht mehr spürt.
Erst in der Stille kann ich wirklich hören und wenn ich schweige, lerne ich verstehn, wenn viele laute Worte mich betören, wird jede leise Stimme untergehn.
Erst in Verzweiflung lerne ich Vertrauen und greife nach der Hand, die helfen kann, will wieder fest auf Gottes Worte bauen.
Reinhart Bonne „wie oft hat er schon Türen aufgetan.“
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
Johannes 1,1
WORT FÜR WORT
Manche Wissenschaftler sprechen davon, dass alles in unserer Welt im tiefsten Sinne aus „Information“ besteht. Von den winzigsten Elementarteilchen bis zu den genetischen Bausteinen des Lebens, von den Kräften des Universums bis zu den Bits und Bites unserer Digitalwelt ist alles voller Information. Aber wer liest das Wort hinter den Wörtern, wer versteht die Sprache des Schöpfers und den Code des Lebens? Ich bin begeistert, wie viele Zusammenhänge der Welt verstanden werden, wie viele Vorgänge des Lebens sich erschließen lassen. Vielleicht gelingt es den Forschern eines Tages sogar, die „Weltformel“ zu beschreiben, mit der alle Vorgänge der Wirklichkeit erklärt werden. Aber ist letztlich nicht alles eine Suche nach der Antwort auf die Frage: Was ist mein Leben? In den Wörtern der Welt werden wir das Wort nicht finden. Das Wort findet uns, es wartet auf uns – und zwar von Anfang an: Jesus. NK
 
Die Worte aus der Bibel sind wie alle anderen Worte,
wenn dieses Wort aber zu uns spricht, uns tröstet, aufrichtet, zurechtbringt und froh und gewiss macht, dann spricht Gott selber zu uns!
Denn meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie; und sie folgen mir,
und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen.
Der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen.
Ich und der Vater sind eins.

Psalm 23 – Thorsten Dietz – GospelHaus Stuttgart – 17. Oktober 2021 ( Ausschnitt )

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;
ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.
Aus Jes 43
Im Schatten
Die Tür der Kirche stand offen. Unauffällig huschte sie hinein. Sie setzte sich in die drittletzte Bank, in den Schatten einer Säule. Schon viele Jahre war sie nicht mehr in einem Gotteshaus gewesen. Die Krankheit des Kindes hatte viel zeit gefordert. Die Scheidung hatte ihre Kraft geraubt. Der leichte Gottesglaube ihrer unbeschwerten Jugendzeit war ganz weit weg. Sollte sie beten? Wie knüpft man an eine Beziehung an, die sich vor einer gefühlten Ewigkeit nach und nach verloren hat? Im Café der Kirchengemeinde entdeckte sie eine Bekannte von früher. Sie fasste sich ein Herz: Magst du mit mir beten?“ Die Worte der anderen mischten sich mit ihren Tränen.
Inzwischen schaut sie immer mal wieder in der offenen
Kirche vorbei. Sie setzt sich in die drittletzte Bank, in den Schatten „ihrer“ Säule. Sie flüstert Worte, die nur sie und Gott kennen. NK
Wir können Seiner oft sehr leisen Stimme vertrauen!!
12.10.2021

Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.

Hebräer 13,9

Warum ist ein „festes Herz“ im Glauben und Leben etwas Erstrebenswertes? Auf solche Menschen ist Verlass, von ihnen gehen Orientierung und Sicherheit aus! Allerdings sind Glaubens- und Lebensgewissheit nichts Selbstverständliches. Sie wollen in einem Wachstumsprozess erst errungen werden. Dazu gehört die nüchterne Einsicht, dass der Glaube auf einem Weg zur Gewissheit heranreifen muss. Und das ist keine langweilige Angelegenheit. Auch die Erfahrung, „draußen“ zu sein, gehört dazu. Doch dann sind wir an dem Ort, wo Jesus ist (V. 13). Außerdem gehören auch Infragestellungen zum Wachsen der Gewissheit. Luther sprach von „Anfechtungen“, die Mystiker von „Nachterfahrungen“. Sie sind allein mit dem festen Blick auf Jesus und auf den Himmel zu bewältigen: Nur wer das Ziel kennt, kann den Weg gehen. Deswegen auch der Hinweis, dass wir noch nicht am Ziel sind (V. 14). Bis dahin bleibt das feste Herz ein Geschenk Gottes.

Gal. 5  Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!
Zur Freiheit berufen
Ein Mann fing einen jungen Adler. Er steckte ihn zu seinen Hühnern, Nach Jahren ging der Mann mit einem Besucher durch den Garten. Der sagte: „Dieser Vogel ist doch ein Adler, kein Huhn!“ „Nein“, sagte der Mann, „ich habe ihn tu einem Huhn erzogen.“ „Er ist ein Adler mit dem Herzen eines Adlers“, meinte der Besucher, „lass es mich prüfen.“ Er stieg nun mit dem Adler auf das Hausdach: „Breite deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler erblickte die scharenden Hühner, flog hinunter und scharrte mit: „Wie ich gesagt habe, er ist ein Huhn,“ Vor Sonnenaufgang stieg der Besucher mit dem Adler auf einen Berg und sprach: „Du gehörst dem Himmel und nicht dieser Erde breite deine Schwingen aus!“ Der Adler blickte zitternd umher, flog aber nicht. Dann ließ er den Adler direkt in die Sonne schauen. Mit einem Schrei breitete der seine gewaltigen Flügel aus, flog hoch und höher und kehrte nicht mehr zurück.
Nach James Aggrey
64. Frage: Macht aber diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos?
Nein; denn es ist unmöglich, dass Menschen, die Christus durch wahren Glauben eingepflanzt sind, nicht Frucht der Dankbarkeit bringen.
Himmel und Hölle

Predigt P.C. Wiarda

Worum geht es Pfingsten?

„Das ist ja wie Weihnachten und Ostern an einem Tag!“  Die Älteren unter uns kennen noch diese Redewendung.  Wenn  etwas extrem unwahrscheinlich ist; zwar durchaus  gut und wünschenswert, aber nach unserem normalen Kalender praktisch unmöglich.

 Nur am Rande: Weil wir gar nicht genau wissen, an welchen Tag Jesus geboren wurde -das steht bekanntlich nicht in der Bibel!- könnte es theoretisch sogar sein,  dass Jesus an seinem Geburtstag auferstanden ist. Wirklich Weihnachten und Ostern an einem Tag!  

Aber  soll jetzt  um Pfingsten gehen. Viele Gemeinden beginnen jetzt wieder mit Präsenz-Gottesdiensten.  Zu Himmelfahrt gab es meist  „nur“ einen Video-Gottesdienst. Und auch an Ostern war nur ganz wenig möglich. Da ist jetzt viel zum Nachholen. Sozusagen Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten an einem Tag!

Und das ist jetzt von der Bibel tatsächlich ein ganz naheliegender Gedanke! Drei von vier Evangelisten überliefern es uns genau so, dass alles ganz eng zusammen war. Ganz ausdrücklich steht das bei Johannes.  Am Ostertag abends tritt  Jesus mitten unter die versammelten Jünger. Er sendet sie aus  – und dann bläst er sie an: Nehmt hin den Heiligen Geist.  (Joh. 20, 22)

Ostern und Pfingsten an  einem Tag!  Erst Lukas zerteilt das Ganze  auf drei Termine. Die Kirche ist ihm darin gefolgt: Ostern, nach 40 Tage Himmelfahrt, 10 Tage weiter: Pfingsten. So geht heute unser Kirchenjahr.

Jetzt fragt sich vielleicht der eine oder die andere: Was soll das jetzt alles? Unnötige Theologen-Gelehrsamkeit? Außerdem ist es doch schön, dass wir ein paar mehr Feiertage haben, freie Tage. Ja, gewiss! Aber die Sache hat ihren Preis:

Die große Pfingst-Verlegenheit.

Wenn wir auf der Straße fragen würden: „Was feiern wir eigentlich  an Pfingsten?“ – „Ja, ääh, irgendwie –ääh, den Heiligen Geist? Den Geburtstag der Kirche?“ Das gehört dann noch zu den klügeren Antworten.  Auch von den Kanzeln hört man zu Pfingsten nicht selten Verlegenheiten. Da wird das Sprachwunder traktiert, die tolle Gemeinschaft der ersten Christen verklärt, oder über Begeisterung, Teamgeist etc. fabuliert. Das alles kommt daher weil Pfingsten unbedingt etwas Eigenes haben sollte. Ein eigener Feiertag,  ein eigenes Thema. Ein eigener Geist.

Dabei ist es viel einfacher: Pfingsten ist ein  Christusfest! Ganz genauso wie Weihnachten! Jesus Christus, vom Vater in unsere Welt gesandt (das feiern wir Weihnachten). Jesus, der uns durch sein Reden, aber auch durch sein Tun die Liebe Gottes gezeigt hat – bis an Kreuz. Jesus, der von den Toten aufweckt worden ist (Ostern), als Hoffnung für die Welt. Es ist im ganzen Kirchenjahr  ein und dasselbe Thema: Jesus Christus!

Nur eben: Ab Ostern geht es besonders um die Frage: In welcher Weise ist Jesus jetzt gegenwärtig? Eben nicht mehr so wie bis Karfreitag, gebunden an Ort und Zeit, sondern verwandelt, verklärt.  Von dem Ort seiner Erhöhung aus –sitzend zur Rechten Gottes- (Himmelfahrt); von dort kann Jesus Christus jetzt immer und überall sein, mitten unter uns, bei  uns alle Tage, im Geist!

Was Jesus Christus  heute an uns tut – darum geht es Pfingsten.  Wie er  selbst  in seiner Gemeinde handelt und in unserem Herzen wirkt -das ist, wenn man unbedingt will, das „eigene“ Thema von Pfingsten. Aber die Berichte aus seinen Erdentagen und Jesu Weg ans Kreuz gehören unbedingt dazu. Nur daran erkennen wir, dass es nicht irgendein Zeit- oder Weltgeist ist, sondern Jesus. Seine rettende Liebe muss im Mittelpunkt stehen.

Wir dürfen es uns mit der Frage: „Was feiern wir eigentlich Pfingsten?“ also ganz einfach machen; und absolut biblisch antworten:  Jesus Christus! Das ist das eine Thema der Kirche: Himmelfahrt  und  Pfingsten, Weihnachten und Ostern, jeden Tag! Pastor C.W.

 

ZWISCHENAUFHELLUNGEN

 

Ich frage die junge Frau, wie es ihr geht. Sie schaut mir ins Gesicht und sagt: „Im Augenblick nicht gut.“ Ich schweige betreten. Aha, da hat sich ihre berufliche Situation also nicht verbessert. Oder geht es um ihre Gesundheit? Ihre Beziehung? Während ich noch überlege, kommt plötzlich ein Leuchten in ihre Augen. „Aber ich lebe von den ‚Zwischenaufhellungen‘.“ Ich muss sie sehr fragend angeschaut haben, denn sie beginnt zu erklären: „Das ist ein Wort, das mein Vater immer verwendet: ‚Zwischenaufhellungen‘. Er ist Christ. Das volle Licht haben wir erst, wenn wir ganz bei Gott sind, meint er. Aber hier, hier auf der Erde, haben wir ‚Zwischenaufhellungen‘ – Lichtmomente, die uns geschenkt werden und von denen wir leben können. Und das tue ich!“ Die junge Frau verabschiedet sich. Ich hätte sie am liebsten umarmt. Das Wort ihres Vaters begleitet seither auch mich.

Bei all dem Leid in der Welt, wie soll man da denn noch an Gott glauben können?! – Jede und jeder von uns hat eine ähnliche Aussage sicher schon gehört. – Gott steht vor Gericht. Das Urteil steht fest. Seine Strafe lautet: Aberkennung der Existenz. – Weil es Leid auf der Welt gibt, kann es Gott nicht geben. So einfach ist das. – Ist es wirklich so einfach. Das Buch hiob macht es sich nicht so leicht. Immerhin nimmt es sich 42 Kapitel für die Frage, wie Leid und Gott zusammen zu denken sind. – Ein zentraler Text, Hiob 19,19-27, steht im Mittelpunkt des heutigen Gottesdienstes. – Ohne die eigene Hoffnung zur Sprache zu bringen, war diese Predigt nicht zu machen.

Faszination Jesus

Prof. Torsten Dietz

GLAUBEN zum nachdenken

 

GLAUBEN in der Anfechtung

Wenn Gott anders ist als unsere Vorstellung von ihm….

… unser täglich „Glauben“ gib uns heute ….

Das soll mein Glaube sein
Mir ist es bisher wegen angeborener Bosheit und Schwachheit unmöglich gewesen, den Forderungen Gottes zu genügen. Wenn ich nicht glauben darf, daß Gott mir um Christi willen dieses täglich beweinte Zurückbleiben vergebe, so ist’s aus mit mir. Ich muß verzweifeln.
Aber das laß ich bleiben. Wie Judas an den Baum mich hängen, das tu ich nicht. Ich hänge mich an den Hals oder Fuß Christi wie die Sünderin. Wenn ich auch noch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest.
Dann spricht Christus zum Vater: „Dieses Anhängsel muß auch durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle Deine Gebote übertreten. Vater, aber er hängt sich an mich. Was soll’s, ich starb auch für ihn. Laß ihn durchschlüpfen!“
Das soll mein Glaube sein.
Martin Luther
Gott lieben, wie geht das?

Du triffst bei Freunden ein kleines, nettes Kind. Ihr werdet gute Freunde und plaudert und spielt nach Herzenslust. Ihr werdet euch einig, dass das Kleine mit dir nach Hause soll. Und das tut es gern. Zu Hause hast du Kuchen und Schokolade, und ihr spielte.

Aber auf einmal wird das Kleine still. Du tischst von neuem Kuchen und Schokolade auf. Aber das Kind fragt plötzlich: »Wo ist die Mutter? ich will zu meiner Mutter!« Und nun hilft es nichts, wenn du auch das ganze Haus voller Schokolade und Kuchen hättest. Das Kind will zur Mutter, auch wenn es bei ihr kein einziges Stück Kuchen bekommt. Warum? Ja, das Kleine ist von der Mutter geboren, um bei der Mutter zu sein. Das ist das ganze Geheimnis. So
ist es auch mit denen, die aus Gott geboren sind. Sie sind für Gott geboren, um bei Gott zu sein. Darum empfinden sie es als ein Glück, da zu sein, wo Gott ist, selbst wenn man nicht immer mit Gott reden kann. Genau wie das Kind, das auch mit der Mutter nicht ständig zu reden vermag.
Das Gotterlebnis der Wiedergeburt ist der eigentliche Kern und das Geheimnis des Christentums. Solange man Gott nur verstandesmäßig behauptet und sich nach ihm sehnt, wird unser Verhältnis zu ihm ein Chaos von theoretischen und praktischen Problemen bleiben. Aber in dem Augenblick, wo man Gott erlebt, wird es anders. Paulus hat es so ausgedrückt: »Ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden«
(2. Kor. 5, 17).
Aus „Wie ich Christ wurde“ Prof. Ole Hallesby

Da entsetzte sich der König Nebukadnezar: „Haben wir nicht drei Männer gebunden in das Feuer werfen lassen?“ Sie antworteten:

König.“ Er aber sprach: „Ich sehe aber vier!“ Daniel 3, 24

Christus wurde Jesus. Jesus wurde Jesus Christus. Bevor Christus Mensch wurde, war er „mitten unter ihnen“, die wegen ihres Glaubens an Gott leiden mussten. Also war der vierte, den der König sah, Christus, Gottes Sohn, bevor dieser ein Mensch wurde als Jesus von Nazareth. Christus hat nach seiner Menschwerdung so Fortsetzung gemacht.
Schon mancher Nachfolger des Nebukadnezar hat sich entsetzt: vier statt drei!?
Also sind wir, wenn wir allein dies lesen, jetzt zu zweit: Christus ist da. Und wer zu zweit dies liest, ist zu dritt: Christus ist da. Nebukadnezar konnte vor der Menschwerdung des Sohnes Gottes den Namen nicht wissen. Wir aber kennen ihn. Bonhoeffer auch, an dessen Todestag wir heute denken. Und Jesus war im KZ und auf dem Schießstand neben seinem Zeugen.
Unser Herr Jesus Christus, wir dürfen wissen, dass du jetzt bei uns bist. Denn wir haben dich erkannt und dürfen an dich glauben. Du kennst unsere Feueröfen. Du weißt, wo und wann wir brennen. Der Teufel presst, ja er erpresst uns, dass wir in Drangsalshitze umzukommen drohen. Sei du da. Sei du ganz da. P. H. Giesen
Gedanken eines Pastors zur Verborgenheit

(Kolosser 3, 3:   Euer Leben ist verborgen  mit Christus in Gott.)

Erlauben Sie mir ein persönliches Wort. Als Pastor und Prediger ist dies das Problem meines Berufes. Ich muss predigen von einer Wirklichkeit, die verborgene Wirklichkeit ist. Ich muss zum Glauben aufrufen, aber ich kann dem Glauben keine Beweise liefern. Und das ist schwer.
Eine Wirklichkeit zu predigen, die noch nicht vor aller Augen ist. Einen Herrn zu predigen, den die anderen für verschollen halten. Eine Erlösung zu predigen, die andere Menschen für unmöglich halten.
Aber so ist das eben. Der christliche Glauben hat es zu tun mit einer Wirklichkeit, die noch verborgen ist. Die Erlösung der Welt – noch verborgen. Der Sinn meines Lebens – noch verborgen. Aber verborgen „in ihm“.
Vielleicht sollte man den christlichen Glauben ganz einfach so beschreiben: Wir suchen, wie alle Menschen, nach den verborgenen Schätzen, der Erkenntnis, aber wir suchen sie bei ihm. Auch die Christen sind Suchende und nicht Habende. Es ist ganz gut, dass diese Schätze noch verborgen sind. Das schließt den Hochmut aus. Weil noch keiner von uns am Ziel ist, sind wir alle unterwegs. Wir miteinander. Aber die Botschaft des Evangeliums ruft uns auf seinen Weg. Uns miteinander.
Der Sinn unserer Leben liegt bei ihm. Die Erlösung der Welt liegt bei ihm.
Die in Christus verborgenen Schätze sind mir lieber als die schillernden Perlen, die auf der Straße liegen.

Aus einer Predigt von Helmut Tacke (1928-1988). Er war Pastor und Dozent am reformierten Predigerseminar in Wuppertal – wichtige Veröffentlichungen zur bibelorientierten Seelsorge.

wo kommen wir her
warum sind wir hier
wohin gehen wir
Psalm 139
Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele…. Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.
Jesus spricht: Joh. 14
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben.
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!
In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.
Es glänzet der Christen inwendiges Leben,
obgleich sie von außen die Sonne verbrannt.
Was ihnen der König des Himmels gegeben,
ist keinem als ihnen nur selber bekannt.
Was niemand verspüret,
was niemand berühret,
hat ihre erleuchteten Sinnen gezieret
und sie zu der göttlichen Würde geführet.
Sonst sind sie wohl Adams natürliche Kinder
und tragen das Bildnis des Irdischen auch;
sie leiden am Fleische wie andere Sünder,
sie essen und trinken nach nötigem Brauch;
in leiblichen Sachen, in Schlafen und Wachen
sieht man sie vor anderen nichts Sonderlichs machen,
nur dass sie die Torheit der Weltlust verlachen.
Doch innerlich sind sie aus göttlichen Stamme,
geboren aus Gott durch sein mächtiges Wort;
es lodert in ihnen die himmlische Flamme,
entzündet von oben, genähret von dort.
Die Engel sind Brüder, die ihre Loblieder
mit ihnen holdselig und wonniglich singen;
dass muss dann ganz herrlich,
ganz prächtig erklingen.
C.F. Richter
wo kommen wir her
warum sind wir hier
wohin gehen wir

 

Als Heinrich VIII. von England auf dem Totenbett lag, ließ er seinen Hofnarren kommen. Hofnarren sind Menschen, die in spaßiger Form die Wahrheit sagen dürfen, die einem sonst niemand mehr sagt. Der Hofnarr kam ins Sterbegemach. Der König sagte:
»Freund, ich muss jetzt gehen.«
»Wohin?«, fragte der Narr.
»Das weiß ich nicht.«
»Wann kommt Ihr wieder?«
»Ich komme nicht wieder.«
»Wer geht mit Euch?« »Niemand.«
»Habt Ihr Euch denn auf diese Reise vorbereitet?«
»Nein.«
Da nimmt der Narr seinen Narrenstab und seine Narrenkappe, wirft sie auf das Bett des Königs und sagt:
»Majestät, Ihr habt mir einmal gesagt, ich solle den Narrenstab dem Menschen geben, der ein größerer Narr sei denn ich. Ihr seid es, denn Ihr geht jetzt und wißt nicht wohin und habt keinen Begleiter. Dann verließ er den Palast und ward nie mehr gesehen. Da ließ sich der König von den Lakaien, ein Glas Wein bringen. Er trinkt den Pokal aus, wirft ihn auf den Boden und sagt: »Nun ist alles hin, die Krone, der Wein und die Seligkeit.«
Warum muss ich so traurig gehen, wenn meine Feinde täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott? Psalm 42, 10.11

Also ist unsere Seele nicht immun. Unser Glaube ist gefährdet. Die Gewissheit des Glaubens ist infizierbar. Steter Tropfen höhlt den Stein; täglich gefragt zu werden: „Wo ist nun dein Gott?“ stellt eine Versuchung ersten Ranges dar.

Diese Frage der andern ist eine Suggestivfrage. Die Antwort soll uns leicht gemacht werden. Wir sollen die Achsel zucken. Wir sollen sagen: „Ich weiß nicht; er ist mir abhanden gekommen; es war doch vielleicht nur ein Kinderglaube; vielleicht gilt Gott noch was im Elternhaus, in der Heimatgemeinde, aber hier ist er nicht mehr. Vielleicht ist Gott verreist zu andern.“

Genau dieses Eingeständnis will der Teufel im lächelnden Fragen der Kollegen erreichen. Er will unsere Liebesgeschichte mit Gott als Illusion zerschlagen. Er will uns in trostloser Welt auch so traurig machen, wie es ihm bei den andern schon gerungen ist.

Darum, o Gott, bitten wir dich, lass uns die listigen Anläufe des Teufels in seiner stetigen Infragestellerei durchschauen. Er will uns von dir trennen. Er will dich madig machen. Nichts anderes. So lass uns an dir festhalten in der Fremde. lass uns die erste Liebe nicht verlassen. Denn du hast uns zuerst geliebt.

Heinrich Giesen

Jesus, wer bist Du,
woher hast Du diese Macht dass wenn jemand auch nur den Saum Deinens Mantels berühren durfte nicht mehr von Dir loskommt.
Gedanken von Prof. Helmut Thielicke
Wenn Jesus spricht, greift er handelnd und schöpferisch und völlig neue Tatsachen schaffend in alle diese Dinge um Gott ein.
Steht er vor einem schuldbeladenen Menschen, dann hält er ihm keine Predigt, geschweige denn einen »Vortrag« über das Thema, daß Gott ein Richter sei, vor dem er vergehen müsse, daß Gott aber auch Barmherzigkeit habe und viel­leicht einmal Gnade für Recht ergehen lasse, wenn man sich recht zu ihm stelle. Sondern wenn Jesus vor einem solchen Menschen steht, dann sagt er ihm in Vollmacht und auf den Kopf zu: »Dir sind deine Sünden vergeben!« Wenn er das aber sagt, spürt der Mensch, wie seine Ketten zu Boden fal­len, er kann aufstehen und als ein neues Geschöpf davonge­hen. Wenn Jesus zu einem Menschen spricht, dann ist das mehr als ein »Wort«, dann ist das ein Vollzug, geradezu eine schöpferische, eine neumachende Tat. Das konnte kein Mensch. Hier spürte man das, was in der Sprache des Neuen Testaments »Vollmacht« heißt.
Dazu kommt die ganze Art, wie er mit dem Leid in der Welt fertig wird, mit den Krankheiten, mit dem Tod, mit den Sor­gen. Die Prediger konnten auch sagen: Einmal kommt der Tag Gottes, an dem er abwischen wird alle Tränen von den Augen, der Tag, an dem es kein Leid mehr geben wird und kein Geschrei. Aber dort, wo Jesus hinkommt, geschieht noch etwas anderes. Da stehen die Lahmen buchstäblich auf, jetzt schon auf, und beginnen zu gehen, den Blinden werden die Augen geöffnet, die Armen werden fröhlich und die Ge­schundenen beginnen zu loben. Wo Jesus hinkommt, da ist die Luft schon jetzt zeichenhaft erfüllt von Andeutungen dessen, was Gott einmal in Fülle und unübersehbar tun wird. Da beginnt schon das Wetterleuchten des kommenden Gottestages am Horizont.
Als die Leute dies alles sehen, können sie nicht anders als ihn fragen, wer er eigentlich sei und woher er die Macht zu alle­dem nehme. Sie müssen trotz aller Skepsis, trotz aller Anti­pathie und trotz aller sozialen und weltanschaulichen Vorbe­halte gegenüber dieser »Sensation aus Nazareth« feststel­len : Er ist schlechterdings anders als wir.
Darum stellen sie die Frage nach seiner Macht.
Diese Frage bedeutet also einfach:
Jesus von Nazareth, was steckt eigentlich hinter dir? Bist du wirklich anders als wir? Gewiß, irgend etwas ist anders als bei uns und irgend etwas hast du an dir. Du hast eine geheimnisvolle Macht über Menschen und Dinge, und keiner kann die Zeichen tun, die du tust.
So werden die Menschen weiter und durch die Jahrhunderte hin mit ihm reden, sie werden mit ihm hadern und hinter sein Geheimnis zu kommen trachten:
Du hast ein Feuer angezündet auf Erden, Nazarener, es eilt wie ein Weltenbrand um den Globus, es überspringt die
Ozeane und dringt in die fernsten Kontinente. Noch nach Jahrtausenden wird es das tun.
Du hast Macht, Jesus von Nazareth! Kein Zweifel, denn kei­ner unter allen, die Menschenantlitz tragen, hat sich so durchgesetzt wie du. Millionen haben sich für dich in die Kerker werfen, von den Löwen fressen, auf die Guillotinen schleppen lassen und haben dich mit ihrem letzten Seufzer gelobt.
Kein Zweifel, daß du Macht hast, Jesus von Nazareth, Macht, wie sie nie ein sterblicher Mensch besaß. Cäsaren, Kaiser und Diktatoren haben Reiche gegründet, die in die Ewigkeit dauern sollten, sie haben ihre Grenzen befestigt, gigantische Heere geschaffen, sich als Heilande preisen las­sen, aber all ihre Herrlichkeit ist in die Winde zerstoben. Neue Kulturen und Weltreiche sind darüber gewachsen und haben ebenso das Zeichen ihrer Untergänge an der Stirn ge­tragen. Auf jeden noch so strahlenden Aufstieg ist mit völli­ger Sicherheit die Götterdämmerung gefolgt. Das ist Men­schenschicksal und wird es immer bleiben.
Du aber bist geblieben, Jesus von Nazareth, und hast doch kein Reich gegründet und keine Heere gehabt. Du hast die zwölf Legionen Engel, die dir zur Stabilisierung deiner irdi­schen Herrschaft dienen konnten, nicht herbeigerufen. Du hattest nur ein paar Jünger, die im kritischsten Augenblick deines Lebens an dir irrewurden und davonliefen.
Du bist an einem Galgen in armseligem Niemandsland ge­storben, und die Weltgeschichte ist über dich hinweggegan­gen. Doch nein, es ist umgekehrt. Du gehst über die Weltge­schichte hinweg. Immer wieder hören wir deinen Schritt. Die Sterbenden auf den Schlachtfeldern blicken auf, wenn du in ihre letzten Stunden kommst, den Schuldbeladenen huscht ein Schein über das Antlitz, wenn du ihnen die Ket­ten nimmst, die Geängsteten und Versorgten bekommen Ruhe in ihren Blick, wenn sie dein Wort hören: »Fürchte dich nicht.« In allen Armen und Verachteten gehst du im­mer wieder neu über die Erde. Deine ewige Wanderschaft hüllt sich in die Maske der Ärmsten.
Ja, du bist geblieben, du rätselhafter Nazarener. Manchmal schienst du freilich verschüttet, und ganze Epochen haben dich totgeschwiegen. Aber immer wieder bist du aus deinem versiegelten Grab emporgefahren und hat es die Menschen ahnen lassen, daß du der Heiland und heimliche Regent der Welt bist.
So sprechen die Menschen aller Jahrhunderte auf Jesus ein, und am Schluß fragen sie ihn: Spürst du denn nicht, wie uns deshalb die Frage umtreibt, wer du bist und aus welcher Macht du das alles tust?
Wer bist du, Jesus von Nazareth?
Bist du eine Persönlichkeit von ungeheurer suggestiver Kraft, daß du das fertigbringst? Bist du ein Genie der Men­schenbehandlung, daß du die Leute so an dich kettest und sie für dich leben und sterben läßt? Bist du ein kluger Psycho­loge, ein geschickter Taktiker der Seele, daß du die religiösen Bedürfnisse der Menschen ausnützt und dich für Jahrtau­sende unentbehrlich machst?
Oder – oder – bist du Gottes Sohn, bist du der ganz Andere, bist du allein »von oben her«, während wir anderen alle »von unten« sind? Ist es Gottes eigenes Vaterherz, das in dem deinen schlägt, wenn du dich niederbeugst zu den Ar­men und Kranken? Ist es Gottes eigene Hand, wenn du die deine heilend auf die verwundeten Gewissen und kranken Körper legst?
Bitte, sag es uns, wer du bist: Woher hast du deine Macht? Von Gott oder den Menschen ?
Jesus wer bist Du
„Der Grund, warum die Menschen am Christentum zweifeln, ist ganz einfach der, daß sie es nur denken, anstatt es zu leben." Prof. O. Hallesby
Am Kreuz scheiden sich die Geister.

Schon der Apostel Paulus wusste: Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft. Besonders anschaulich wird das im Bericht des Evangelisten Lukas von den zwei Männer, die neben Jesus auf Golgatha hängen. Pastor Wiarda legt, mit Hilfe eines Bildes von Lukas Cranach, diesen Text aus (Lukas 23, 39-43) und erinnert an die zwei Wege,

zwischen denen wir uns auch heute noch entscheiden müssen.

Frage 64   Heidelberger Katechismus
Macht aber diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos?

Nein;
denn es ist unmöglich, dass Menschen,
die Christus
durch wahren Glauben eingepflanzt sind,
nicht Frucht der Dankbarkeit bringen.

Von Licht erfüllt

In einem muslimischen Land lebte eine Frau, die als Medium in spiritistischen Sitzungen gedient hatte. Als sie von Jesus hörte und ihr Vertrauen auf ihn setzte, wurde sie von diesen Mächten frei. Eines wunderte sie immer wieder: dass Christen nicht wissen, welche Autorität sie besitzen. Sie erzählte, dass sie damals als Medium schon von Weitem sehen konnte, wer Christ war und wer nicht. Sie konnte über den Köpfen der Christen ein Licht sehen, das ihr zeigte, dass hier eine größere Autorität vorhanden war als ihre dunkle Kraft. Sie konnte nicht fassen, dass viele Christen nichts wissen von diesem Licht und von der Kraft, die dämonische Mächte erzittern lässt. Jesus, der durch den Glauben in uns wohnt, verleiht uns diese Autorität. Es ist nicht unsere Kraft, sondern Jesus selbst, der uns stark macht. Er ist das Licht der Welt. Wir sollen dieses Licht nicht unter den Scheffel stellen. Das ist unser Beitrag dazu. Mehr nicht.

NK Kalender 05.02. 2020

Die Stimme des Guten Hirten

Wenige Monate vor dem Tod Helmut Thielickes stellte ihm ein Journalist folgende Frage ,,Herr Professor, wie stellen Sie sich den Himmel vor“ Thielicke antwortete: ,,Ich weiß es nicht, aber ich werde dort der Stimme des Guten Hirten folgen, dem ich hier gefolgt, bin.“ In seinem Buch ,,Woran ich glaube“ schreibt er: ,,Unser zweifelndes Herz und unsere leeren Hände empfangen schon jetzt die segnende Berührung, die unser Leben erweckt und uns die Gewissheit neuer Ufer und eines neuen Tages zuteilwerden lässt.“ Und seine Lebenserinnerungen schließt er mit den Zeilen: ,, Als Christen sind wir gewiss, dass die uns zugemessene Lebensspanne nur die Adventszeit einer noch – größeren Erfüllung ist. Das Land, in das wir gerufen werden, ist ein unbekanntes, ja unvorstellbares Land.

Nur eine Stimme gibt es, die wir wiedererkennen werden, weil sie uns hier vertraut war: die Stimme des Guten Hirten.“

Du kannst nicht verhindern, daß ein Vogelschwarm über deinen Kopf hinwegfliegt. Aber du kannst verhindern, 
daß er in deinen Haaren nistet. Martin Luther

von Hanns Dieter Hüsch

Im übrigen meine ich möge uns der Herr weiterhin zu den Brunnen des Erbarmens führen Zu den Gärten der Geduld
und uns mit Großzügigkeitsgirlanden schmücken er möge uns weiterhin lehren
Das Kreuz als Krone zu tragen
Und darin nicht unsicher zu werden
Soll doch seine Liebe unsere Liebe sein

Er möge wie es auskommt in unser Herz eindringen um uns mit seinen Gedankengängen zu erfrischen
Uns auf Wege zu führen die wir bisher nicht betreten haben aus Angst und Unwissenheit darüber
dass der Herr uns nämlich aufrechten Ganges fröhlich sehen will weil wir es dürfen und nicht nur dürfen sondern auch müssen wir müssen endlich damit anfangen
das Zaghafte und Unterwürfige abzuschütteln denn wir sind Kinder Gottes: Gottes Kinder!
Und jeder soll es sehen oder ganz erstaunt sein dass Gottes Kinder so leicht und fröhlich sein können Und sagen: Donnerwetter
Jeder soll es sehen und jeder soll nach Hause laufen Und sagen: er habe Gottes Kinder gesehen und die seien ungebrochen freundlich
und heiter gewesen weil die Zukunft Jesus heiße

Und weil die Liebe alles überwindet
Und Himmel und Erde eins wären
Und Leben und Tod sich vermählen
Und der Mensch ein neuer Mensch werde Durch Jesus Christus.

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